Die Geschichte der Bürgerstiftung

Bei Anneliese Bruns (Vorstandsvorsitzende des Sozialdienst katholischer Frauen „SkF“, Tecklenburg) und Ludger Börgermann (Geschäftsführer SkF Riesenbeck) fiel die Idee, einer Bürgerstiftung in der Region zu gründen, auf fruchtbaren Boden. Mit Ludger Lindmeyer (Mettingen), Klemens Müer, Hans Jacobi (Ibbenbüren), Maria Lahme (Riesenbeck), Brigitte Rieping-Seibold und German Rieping (Ibbenbüren) fanden sie die ersten Mitstreiter. Dieser Kreis sprach zunächst im privaten Rahmen einige Personen an, und erkundigten sich wer Interesse hätte, sich an der Gründung einer Stiftung zu beteiligen.

Ein Gründungskapital von 200 000 Mark war das Ziel. Die Stiftung sollte soziale Ziele verfolgen; Menschen in Not helfen. Sie sollte in wirtschaftlichen Notlagen oder bei persönlichen Schwierigkeiten unterstützen und Projekte initiieren, die zum Beispiel Senioren bei drohender Vereinsamung oder Kindern und Jugendlichen bei Förderdefiziten unterstützen. 

Nachdem die Resonanz allgemein sehr positiv war, ging man in die Öffentlichkeit. Die daraus resultierende große Beteiligung hat jedoch alle überrascht.

Am 14. November 2000 war es dann soweit! In der Christuskirche in Ibbenbüren überreichte Regierungspräsident Dr. Jörg Twenhöven die Genehmigungsurkunde. Die Stiftung war, von 53 Stifter*innen die ein Kapital von 530 000 Mark zur Verfügung gestellt hatten, gegründet. 

German Rieping wurde zum Vorsitzenden gewählt und blieb es mehr als zehn Jahre.

In all den Jahren half die Stiftung vielen Menschen in besonderen Notlagen und durch Projektarbeit, vorwiegend durch den Einsatz von Ehrenamtlichen. Für diese Arbeit reichten die Kapitalerträge der jedoch Stiftung nicht, denn das Kapital einer Stiftung muss erhalten bleiben. 

Es gab aber eine große Spendenfreudigkeit im Tecklenburger Land und zweimal gab es eine kräftige Förderung durch die „Aktion Mensch“. Ende 2010 gab es mehr als 180 Stifter und ein Kapital von über

600.000 Euro; die Stiftung hatte in zehn Jahren mehr als 270 000 Euro an Fördergeldern ausgegeben.

Ein schöner Erfolg für eine so junge Stiftung.

 

So helfen wir
Unabhängig. Autonom. Gemeinnützig.

Bereits seit 2010 wird die Bürgerstiftung Tecklenburger Land mit dem Gütesiegel des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen zertifiziert. Es hat sich über die Jahre erfolgreich als Qualitätsstandard der Bürgerstiftungen etabliert. Die Zertifizierung muss alle zwei Jahre neu beantragt werden. 

Eine Bürgerstiftung ist eine unabhängige, autonom handelnde, gemeinnützige Stiftung von Bürgern für Bürger mit möglichst breitem Stiftungszweck. Sie engagiert sich nachhaltig und dauerhaft für das Gemeinwesen in einem geographisch begrenzten Raum und ist in der Regel fördernd und operativ für alle Bürger ihres definierten Einzugsgebietes tätig. Sie unterstützt mit ihrer Arbeit bürgerschaftliches Engagement. 

 

Anträge zur finanziellen Förderung müssen schriftlich an die Bürgerstiftung gestellt werden. Es ist sinnvoll, sich an eine Wohlfahrtsorganisation im Tecklenburger Land zu wenden, z. B. Caritas, Diakonie, DRK oder an das Sozialamt der zuständigen Wohngemeinde.

  • In Projekten zur Vermeidung von Altersarmut

  • Schuldnerberatung

  • FSJ‘ler beim Sozialdienst katholischer Frauen

  • Ibbenbürener Tafel

  • Einrichtung einer Suppenküche

  • Einrichtung eines Beschäftigungsraumes für behinderte Menschen
    im Rentenalter

  • Ferien für Familien mit behinderten Kindern, Schulfahrten, Ferienmaßnahmen

  • Hospizverein

  • Notfallseelsorge

  • Beschaffung von Hausrat

  • Mietschulden

 

Weiterhin sind wir Gesellschafter des neu entstandenen stationären Hospizes „Hospizhaus Tecklenburger Land“.

Gütesiegel für Bürgerstiftungen

Um das Gütesiegel zu erhalten, müssen folgende Kriterien erfüllt sein.

 

1. Eine Bürgerstiftung ist gemeinnützig und will das Gemeinwesen stärken. Sie versteht sich als Element einer selbst bestimmten Bürgergesellschaft. 

2. Eine Bürgerstiftung wird in der Regel von mehreren Stiftern errichtet. Eine Initiative zu ihrer Errichtung kann auch von Einzelpersonen oder einzelnen Institutionen ausgehen. 

3. Eine Bürgerstiftung ist wirtschaftlich und politisch unabhängig. Sie ist konfessionell und parteipolitisch nicht gebunden. Eine Dominanz einzelner Stifter, Parteien, Unternehmen wird abgelehnt. Politische Gremien und Verwaltungsspitzen dürfen keinen bestimmenden Einfluss auf Entscheidungen nehmen. 

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4. Das Aktionsgebiet einer Bürgerstiftung ist geographisch ausgerichtet: auf eine Stadt, einen Landkreis, eine Region. 

5. Eine Bürgerstiftung baut kontinuierlich Stiftungskapital auf. Dabei gibt sie allen Bürgern, die sich einer bestimmten Stadt oder Region verbunden fühlen und die Stiftungsziele bejahen, die Möglichkeit einer Zustiftung. Sie sammelt darüber hinaus Projektspenden und kann Unterstiftungen und Fonds einrichten, die einzelne der in der Satzung aufgeführten Zwecke verfolgen oder auch regionale Teilgebiete fördern.

6. Eine Bürgerstiftung wirkt in einem breiten Spektrum des städtischen oder regionalen Lebens, dessen Förderung für sie im Vordergrund steht. Ihr Stiftungszweck ist daher breit. Er umfasst in der Regel den kulturellen Sektor, Jugend und Soziales, das Bildungswesen, Natur und Umwelt und den Denkmalschutz. Sie ist fördernd und/oder operativ tätig und sollte innovativ tätig sein.

7. Eine Bürgerstiftung fördert Projekte, die von bürgerschaftlichem Engagement getragen sind oder Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Dabei bemüht sie sich um neue Formen des gesellschaftlichen Engagements. 

8. Eine Bürgerstiftung macht ihre Projekte öffentlich und betreibt eine ausgeprägte Öffentlichkeitsarbeit, um allen Bürgern ihrer Region die Möglichkeit zu geben, sich an den Projekten zu beteiligen. 

9. Eine Bürgerstiftung kann ein lokales Netzwerk innerhalb verschiedener gemeinnütziger Organisationen einer Stadt oder Region koordinieren. 

10. Die interne Arbeit einer Bürgerstiftung ist durch Partizipation und Transparenz geprägt. Eine Bürgerstiftung hat mehrere Gremien (Vorstand und Kontrollorgan), in denen Bürger für Bürger ausführende und kontrollierende Funktionen innehaben.

 

Verabschiedet vom Arbeitskreis Bürgerstiftungen auf der 56. Jahrestagung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, Mai 2000

 

Ziele

1. Die Stiftung fördert Vorhaben im Sinne der §§ 52 und 53 Abgabenordnung, die Menschen in Notlagen unterstützen, und zwar in den Bereichen Schutz von Ehe und Familie, Jugendhilfe, Altenhilfe und Wohlfahrtswesen. Die Hilfe kann auch als Einzelfallhilfe gewährt werden, soweit die Personen die Voraussetzungen des § 53 Abgabenordnung erfüllen. Die Förderung erstreckt sich auf Vorhaben und Einzelfallhilfen im Tecklenburger Land, aber auch darüber hinaus, z. B. in Osteuropa.

 

2. Die Stiftung verwirklicht ihre Zwecke insbesondere, beispielsweise mit der Durchführung von Maßnahmen wie:

• Betreuungs- und Freizeitangebote für Familien

• Integrationsprogramme für gefährdete Jugendliche

• Wahrung und Förderung einer unabhängigen Lebensführung von Senioren

• Integrationshilfen für Behinderte

• Hilfe bei der Wohnraumversorgung für Alleinerziehende

 

3. Die Stiftung kann ihre Mittel auch teilweise -nicht überwiegend- Dritten zuwenden gemäß § 58 Nr. 2 Abgabenordnung.